Wieso gerade Zähne nicht nur für ein schönes Lächeln sinnvoll sind

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Wenn es um Zahnspangen und Zahnschienen geht, denken die meisten Menschen an ästhetische Korrekturen im Kindes- und Jugendalter.

Doch das ist zu kurz gegriffen, wie die Arbeit in meiner Zahnarztpraxis beweist und der Alltag in kieferchirugischen Praxen zeigt.

Um es vorweg zu nehmen: Das „perfekte“ Gebiss gibt es von Natur aus so gut wie gar nicht. Jeder hat irgendwo einen schiefen Zahn, eine Lücke oder eine andere Auffälligkeit. Glücklicherweise handelt es sich dabei oft um einen reinen Schönheitsmakel.

Leider ist es aber genauso häufig, dass sich aus diesen vermeintlich leichten Zahnfehlstellungen echte Probleme entwickeln können. Und zwar nicht nur im Mund, sondern im ganzen Körper. Das hat unter anderem damit zu tun, dass wir unser Gebiss jeden Tag belasten. Kauen oder beißen wir schief und mit unterschiedlicher Belastung, kann das Kettenreaktionen auslösen und zu Dysbalancen im Körper führen. Außerdem erschweren schiefe oder zu eng stehende Zähne die Mundhygiene enorm und das Risiko von Karies und Parodontitis steigt. Leider werden diese gesundheitlichen Folgen oft unterschätzt.

Bevor wir weitere Symptome eines Gebisses mit Fehlstellungen analysieren, schauen wir uns die unterschiedlichen Arten von Fehlstellungen an. Es gibt angeborene und entwickelte Fehlstellungen:

Zu den angeborenen Fehlstellungen des Gebisses gehören z.B.
• Vorbiss (Progenie): ein großer, ausgeprägter Unterkiefer, bei dem die unteren Schneidezähne vor die oberen beißen
• Tiefbiss: Die oberen, mittleren Schneidezähne überdecken die unteren
• Deckbiss: In Verbindung mit einem Tiefbiss: Die Zähne kippen zusätzlich noch nach hinten
• Distalbiss: ein Rückbiss des Unterkiefers, häufig mit nach vorne abstehenden Schneidezähnen
• Missbildungen: Lippen-Kiefer-Gaumenspalte, Zahnüber- oder unterzahl, Zahnverlagerung
• Dreh- Kipp und Engstände

Jede der genannten Fehlstellung führt zu anderen, nachgelagerten Problemen. Der Tiefbiss kann beispielsweise in Verbindung mit einem Deckbiss das Zahnfleisch der unteren Zähne verletzen und eine Rückbildung provozieren. Im schlimmsten Fall kann das einen Zahnverlust nach sich ziehen.

Warum es so viele angeborene Fehlstellungen gibt, lässt sich leicht nachvollziehen: Die Kiefer- und Zahngrößen werden auf unterschiedlichen Genorten vererbt. So kann man vom Vater die großen Zähne erben, aber auch den schmalen Kiefer der Mutter. Da das nicht zusammenpasst, müssen sich die Zähne so drehen und wenden, damit sie auf dem eigentlich viel zu kleinen Kiefer Platz haben. Ganz nach dem Motto „Was nicht passt, wird passend gemacht“.

Zu den erworbenen oder entwickelten Fehlstellungen zählt unter anderem der habituell offene Biss. Dieser entsteht durch die schlechte Angewohnheit (Habit) des Daumenlutschens oder eines Schnullers.

Ob angeboren oder nicht oder störend oder nicht, ist irrelevant, wenn es zu körperlichen Folgeschäden kommt. Spätestens dann sollte etwas gegen die Fehlstellung unternommen werden, um nachhaltige Schäden zu vermeiden.

Diese Schäden können ganz unterschiedlicher Natur sein. Viele können sich gar nicht vorstellen, dass ein schlechtes Immunsystem von Fehlstellungen im Mund kommen kann, auch wenn die Hygiene keine Wünsche offen lässt. Wenn beispielsweise die vorderen Zähne soweit vorstehen, dass der Betroffene nur noch durch den Mund atmen kann, trocknen die Schleimhäute aus und man wird anfällig für Infektionen.

Auch Nackenverspannungen, Rückenschmerzen oder Kopfschmerzen bis hin zur Migräne sind typische Folgeerscheinungen von Zahn- und Kieferfehlstellungen. Viele sind sich überhaupt nicht bewusst, dass sich die oft schon chronischen Beschwerden durch eine Korrektur der Zähne deutlich reduziert werden.

PD Dr. Dr. med. dent. Markus Schlee
Zahnarztpraxis PD Dr. Dr. Markus Schlee & Dr. Florian Rathe
www.32schoenezaehne.de

Quelle Bild: Bild von Nicolás Borie Williams auf Pixabay

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